24. April 2007

Warum schwimmen Schiffe?
Der Kinder-Brockhaus erklärt Phänomene des Alltags

Warum nur fällt ein Butterbrot immer auf die Butterseite? Oder ist das gar nicht so? Man kann es ja mal ausprobieren und ein mit Marmelade bestrichenes Brot langsam über die Tischkante schieben. Es wird kippen und auf der Marmeladenseite landen. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass etwa die bestrichene Seite schwerer ist als die andere, sondern allein mit der Fallhöhe und dem Drall, den es beim Kippen mitbekommt. Eine normale Tischhöhe reicht nicht aus, damit sich das Brot einmal komplett drehen kann. Erst bei mehr als zwei Metern Höhe kann es nach Volldrehung wieder mit der Butterseite nach oben landen.

Solch schlaue Sachen stehen im neuen Kinder-Brockhaus. Noch mehr Experimente – Naturwissenschaften zum Ausprobieren. Wie man schon am Butterbrotbeispiel sieht, ist von Kindern und Eltern voller Einsatz verlangt. Man braucht für die Experimente allerlei Utensilien aus dem Haushalt, Gläser, Spiegel, Kerzen, Papier, Zahnstocher. Und wenn ein Versuch mal nicht klappt, kann man durchaus eine kleine Sauerei anrichten. Und vorsorglich schreibt Autor Joachim Hecker auch in seinen Laborregeln: „Was beim Experimentieren übrig bleibt, und sei es ein Ei oder etwas Essig, kommt in den Abfalleimer.“

Dafür aber machen die meisten Experimente Spaß und sind auch so verständlich, dass Kinder nicht mit Expertenwissen zugedonnert werden. Warum etwa ein mit Wasser gefülltes Weinglas einen Ton von sich gibt, wenn man über den Glasrand reibt, erklärt Joachim Hecker ganz einfach: Der Finger rutscht nicht glatt über den Rand, er stolpert quasi in winzigen kleinen Sprüngen darüber, bei jedem Sprung wird das Glas angestoßen. Springt der Finger regelmäßig, fängt das Glas an zu schwingen, man hat die Eigenfrequenz des Glases getroffen. In lockerer Sprache beschreibt Hecker, warum Schiffe schwimmen, warum ein Handy keinen Empfang hat, wenn man es in Alufolie einwickelt und weshalb man sein Bein nicht heben kann, wenn man sich seitlich an eine Wand lehnt, sodass der ganze Körper diese berührt.

Hecker kombiniert die unterschiedlich anspruchsvollen Experimente (geeignet für Kinder von 8 Jahren an) mit konkreten Beispielen, wie ein physikalischer oder biologischer Effekt im Alltag beobachtet werden kann. Bananen zum Beispiel reifen schneller, wenn im Obstkorb ein reifer Apfel danebenliegt. Der Grund: Der Apfel gibt ein unsichtbares, etwas süßlich riechendes Gas ab. Dieses Aethylen lässt auch die Banane schneller reifen. Obstimporteure machen sich dieses Wissen zunutze. Während der langen Schiffsreisen werden Bananen aus Südamerika mit kühlem Kohlendioxid angeblasen, das Ethylen wird so weggepustet, die Bananen reifen nicht weiter und fallen in eine Art Winterschlaf. Solch kleine Geschichten und Fragen rund um die Experimentierobjekte machen das Buch überaus lebendig. Das Hecker auch die Frage, warum die Banane krumm ist, beantwortet, ist Ehrensache.

HUBERT FILSER


aus: Süddeutsche Zeitung Nr. 94 vom Dienstag, 24.04.2007, Seite 15
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